Lean Prinzip 4: Das Pull-Prinzip einführen

„Pull“, zu Deutsch „ziehen“, bedeutet im Sinne von Lean, dass Aufgaben in einem wertschöpfenden Prozess von einem Schritt in den nächsten gezogen werden. Das heißt ein nachgelagerter Schritt zieht sich die Aufgaben/Materialien/Informationen aus dem vorherigen.
Im Gegensatz dazu werden beim „Push“-Prinzip Aufgaben durch Planungsvorgaben in den Prozess hineingedrückt.

Das Pull-Prinzip orientiert sich somit vielmehr an einem „Outcome“ als an einem „Output“. Diese zwei Wörter hören sich sehr ähnlich an, meinen aber was ganz unterschiedliches.
„Output“, die „Ausbringung“, richtet sich auf die erbrachte Leistung und misst das Projekt rein an den Dingen, die in das Projekt eingebracht wurden. Dies sind meist Ressourcen, Zeit und Budget.
„Outcome“, also „Ergebnis“, misst demgegenüber den direkten Nutzen des Produktes bzw. Projektergebnisses und befasst sich nicht primär mit der Steigerung der Produktivität, noch werden hier Ressourcen bis ins Kleinste geplant.
Das heißt das Push-Prinzip fordert eine 100% Auslastung der Maschinen bzw. Menschen. Das Pull-Prinzip fordert einen ganzheitlichen Nutzen des Ergebnisses bzw. des hergestellten Produktes. Hier muss man seinen Blick also einmal um 180 Grad drehen und von hinten auf den Prozess schauen.

Des Weiteren lehnt sich das Pull-Prinzip vor allem bei agilen Methoden an der Theorie Y an und das Push Prinzip an der Theorie X. Diese Theorien wurden in den 60er Jahren von Douglas McGregor formuliert.¹
Bei der Theroy X wird davon ausgegangen, dass Menschen versuchen Arbeit aus dem Weg zu gehen und alles tun um sie zu vermeiden und dazu keine Verantwortung übernehmen wollen. Die meisten Führungskräfte reagieren darauf mit einem autoritären Führungsstil im Command-and-Control-Modus. In dieser Theorie kann man Menschen eigentlich nur mit finanziellen Anreizen motivieren, z.B. Boni. Dies führt meist im Umkehrschluss dazu, dass Leute unmotiviert sind und keine Verantwortung übernehmen wollen, was die Theorie X weiter bestätigt.
Die Theorie Y geht genau den anderen Weg. Hier werden Menschen als arbeitsam angesehen, für die Arbeit etwas Grundsätzliches ist und darin aufgehen wollen und können. Sie übernehmen dazu Verantwortung für ihr Handeln und wollen kreativ arbeiten. Anerkennung und Selbstverwirklichung sind hier die Motivatoren.
Hier gilt es also auch, einmal komplett anderes herum auf die Dinge zu schauen.
Diese Beschreibung ist natürlich eine vereinfachte Welt in schwarz-weiß. Oft liegt die Wahrheit wohl genau dazwischen. Trotzdem zeigt es die unterschiedliche Weltanschauung verschiedenster Managementmethoden sehr gut auf.

Mit welchen Methoden schafft man es das Pull-Prinzip einzuführen? Neben Mitteln wie Kanban Boards und Work-in-Progress-Limits, bzw. einiger anderer agiler Methodiken, ist hier das Management gefragt. Es sollte ein Arbeitsumfeld herrschen, in dem Respekt, Kollaboration, Lernkultur, Fokus auf Wertschaffung, Anpassung auf Veränderung und Verantwortungsübernahme gelebt werden.
Ein guter Führungsansatz ist der Facilitative Leadership Approach. Dieser beinhaltet sehr kurz gefasst folgende Eckelemente, um eine wirkliche Selbstorganisation zu etablieren, die essentiell für eine agile und leane Arbeitsweise ist:

  • Eine Vision als Richtung vorgeben
  • Werte als Rahmen stecken
  • Moderierend führen
  • Rolle eines Mentors einnehmen
  • Demotivatoren beseitigen, z.B. langsame Computer und Internetleitung, sinnlose Meetings abschaffen usw.
  • Freien Zugang zu Informationen und Materialien

„If you are going to do TPS you must do it all the way. You also need to change the way you think. You need to change how you look at things.“ ~Taiichi Ohno (Erfinder des Toyota Productions System (TPS), dem Vorreiter von Lean)


  1. X-Y-Theorie: https://de.wikipedia.org/wiki/X-Y-Theorie 

 

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