Lean Prinzip 5: Perfektion anstreben

Der Duden definiert „Perfektion“ wie folgt: „…höchste Vollendung in der [technischen] Beherrschung, Ausführung von etwas; vollkommene Meisterschaft“. Dieses „etwas“ ist bei Lean die Schaffung eines vollkommenen Wertes für den Kunden ohne jegliche Verschwendung. Dies ist sicherlich eine Vision, die man nie erreichen wird und deshalb sagt dieses Prinzip, dass man zumindest danach streben sollte.

Das Modell zur Kompetenzstufenentwicklung¹ erläutert wie man diese Perfektion erreichen kann. Dieses Modell beschreibt vier Stufen der Kompetenzentwicklung. Diese vier Stufen sind kurz zusammengefast:

  1. Unbewusste Inkompetenz
    Man erkennt seine eigene Inkompetenz nicht. Wenn man beispielsweise noch nie etwas von agiler Softwareentwicklung gehört hat, vielleicht auch weil es sie noch nicht gab, weiß man auch nicht, dass man hier Defizite hat.
  2. Bewusste Inkompetenz
    Man hat von etwas gehört und weiß, dass man es nicht kann und wie es erreicht wird. Man hatte also mal von Agilität gehört, weiß aber, dass man es mit dem vorhandenen Nichtwissen nicht umsetzten kann.
  3. Bewusste Kompetenz
    Man weiß, dass man es kann, man muss sich aber sehr konzentrieren und hohen Aufwand und Energie reinstecken. Man hat also mal eine Scrum Master Zertifizierung gemacht und einige Sprints agil gearbeitet oder z.B. den Führerschein gerade erworben.
    Viele hören dann auf dieser Stufe mit dem Lernen auf. Man hat es grundsätzlich verstanden, aber zum Können fehlt dann noch der letzte Schritt. Im schlimmsten Fall entsteht dann der Duning-Kruger-Effekt bei dem Personen unter anderem dazu neigen, ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen.²
  4. Unbewusste Kompetenz
    Man hat auf dieser Stufe so viel praktische Erfahrung gesammelt, dass es einem keine Mühe bereitet und die Handlungen unbewusst aus einem heraus kommen. Man handelt quasi automatisch ohne nachzudenken, wie wenn man schon jahrelang Auto oder auch Fahrrad fäht.

Perfektion geht dann noch einen weiteren Schritt über die vierte Stufe hinaus. Man ist quasi das Wissen. Man ist Meister seines Faches. Man hat u.U. sein eigens agiles Framework erschaffen oder wie Bruce Lee seinen eigenen Kampfkunststil.

Das Durchlaufen dieser 4 Stufen ist schon für Individuen beim Thema Agilität nicht gerade einfach. Umso schwerer ist dies bei einer Organisation, die meist mehr ist als die Summe ihrer Individuen.
Hier empfiehlt es sich nach dem PDCA Zyklus (Plan-Do-Check-Act) nach Deming vorzugehen um eine Lernkultur im Unternehmen zu etablieren. Das heißt eine Inkompetenz wird aufgedeckt und ein Vorgehen erarbeitet. Das Vorgehen wird dann überprüft und geschaut ob weitere Schritte nötig sind eine Kompetenzstufe höher zu kommen.

Hat die Organisation mit allen Individuen dann irgendwann die 4. Stufe hinsichtlich lean und agil erreicht, sollte sich eine Lösungskultur (Kaizen Kultur) einstellen, in der, wenn ein Fehler von jemandem entdeckt wird, dieser Fehler direkt gelöst oder zumindest adressiert wird ohne groß nachzudenken.


  1. Komptenzstufenentwicklung: https://de.wikipedia.org/wiki/Kompetenzstufenentwicklung
  2. Dunning-Kruger-Effekt: https://de.wikipedia.org/wiki/Dunning-Kruger-Effekt

Advertisements