Verschwendung – Mura, Muri und Muda

Verschwendung (im japanischen Muda), bzw. Arbeit die keinen wirklichen Wert schafft, ist oft nicht ganz offensichtlich. Gerade in einem Entwicklungsprozess oder einer Firmenorganisation die über Jahre gewachsen ist und man schon etwas betriebsblind geworden ist, ist Verschwendung nur schwer aufzudecken. Denn wer gibt schon gerne zu, dass man die Arbeit, die man täglich verrichtet, nicht effektiv ist. Dies wurde damals auch schon im Toyota-Produktions-System entdeckt und aufgegriffen.

Im Toyota Produktionssystem (TPS) wurde Muda in 7 Arten unterteilt:

  1. Transportation (Materialbewegung)
  2. Inventory (Inventar)
  3. Motion (Bewegeung)
  4. Waiting (Warten)
  5. Over Processing (Über-Entwicklung)
  6. Over Production (Überprduktion)
  7. Defects (Fehler, Nacharbeiten)

In einigen Quellen wird zusätzlich noch eine achte Art hinzugefügt:

8. Latent Skill (Ungenutzte Talente)

Für die Softwareentwicklung sind diese Arten der Verschwendung nur teilweise übertragbar wie z.B. Warten oder Defects.
Die Poppendieks haben diese 7 Arten der Verschwendung in ihrem Buch „Lean Software Development, An Agile Toolkit“ für die Erstellung von Software übersetzt:

  1. Task Switching (Aufgabenwechsel, Multi-Tasking)
  2. Partially Done Work (Halbfertige Arbeiten)
  3. Motion (Bewegung)
  4. Waiting (Warten)
  5. Extra Processes (Zusätzliche Prozesse)
  6. Extra Features (Zusätzliche Features)
  7. Defects (Bugs, Fehler)

Diese 7 Verschwendungsarten machen es etwas einfacher Muda im Software-Entwicklungsprozess aufzudecken. Sie sind aus meiner Sicht aber, vielleicht auch aus Übersetzungsgründen, teilweise immer noch etwas schwer zu greifen. Deshalb würde ich persönlich folgende Verschwendungsarten wählen:

  1. Aufgabenwechsel
  2. Unnötige fachliche und/oder technische Komplexität
  3. Fehlende Information / Ressourcen
  4. Ineffiziente, unnütze Prozesse
  5. (Noch) ungenutze Features
  6. Warten
  7. Fehler und Nacharbeiten

Diese Einteilung kann neben der Schaffung eines Bewusstseins für Verschwendung im Unternehmen auch sehr hilfreich für einen Scrum Master sein. Denn Impediments zu beseitigen ist nichts anderes als Verschwendung aufzudecken und abzuschalten.

Konzentration auf die Vermeidung von Verschwendung  und Minimierung wertloser Arbeit klingt erst mal nach dem heiligen Gral zur Erhöhung der Effizienz und Produktivität. Tatsächlich ist es das auch. Dort hinzukommen ist allerdings sehr schwierig. Oft ist die Vermeidung von Verschwendung auch der erste Weg, den man einschlägt um effizienter zu werden. Logisch.

Es könnte allerdings hilfreich sein, sich zunächst auf andere Dinge zu konzentrieren und zwar solche, die Verschwendung hervorrufen oder begünstigen.
Muri, die Überlastung von Mitarbeiter und Maschinen und Mura, die unregelmäßigen Abläufe bzw. Prozesse (z.B. am Ende einer Berichtssaison oder Projektende) hindern Menschen oft daran Ihre Abläufe zu verbessern und Verschwendung aufzudecken und zu eliminieren. Eine Metapher dazu beschreibt folgendes Bild:

are-you-too-busy-to-improve2.png

Durch Muri und Mura ensteht Verschwendung. Wenn Menschen überlastet sind machen sie Fehler und oder werden krank.

Dazu denken die meisten Menschen natürlich, dass sie schon effizient und effektiv genug sind und sich nicht verbessern müssen. Vielleicht stimmt das manchmal sogar, kann sich aber durchaus auch wieder ändern, z.B. wenn neue Technologien verfügbar sind, die einen noch besser unterstützen können. Diese müssen dann aber natürlich im Auge behalten werden.

In einem weiteren Blogartikel möchte ich einige dieser Technologien und auch  Methodiken vorstellen Verschwendung aufzudecken und zu vermeiden.

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